Glutenfreies Müsli – Teil 1: Bircher-Benner und das Fertigmüsli

Glutenfreies Müsli - gekauft

Quelle: aboutpixel.de / müsli mit frischen früchten © Franziska Krause

Ich liebe Müsli! Und bevor es nun draußen und auch hier im Blog endgültig weihnachtlich wird, möchte ich mich etwas ausführlicher diesem (vermeindlich) gesunden Produkt widmen. Vemeindlich deshalb, weil insbesondere Fertigmischungen oft nicht halten, was sie versprechen.
Da der Artikel deutlich länger wurde, als ursprünglich geplant, habe ich mich entschlossen zwei Teile daraus zu machen:
Der heutige erste Teil behandelt die Geschichte des Müslis, gibt einen kurzen Überblick über die erhältlichen glutenfreien Produkte und zeigt, warum manches Fertigmüsli eher in die Süßwarenabteilung gehört.
Im zweiten Teil geht es dann um die Möglichkeiten, ein gesundes wohlschmeckendes Müsli selbst zu mischen.

Aber der Reihe nach:

Geschichte des Müsli

Das ursprüngliche Birchermüsli ist eine Schweizer Spezialität, die um 1900 vom Aargauer Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867 bis 1939) entwickelt wurde. Der Gründer des Sanatoriums „Lebendige Kraft“ am Zürichberg nannte seine Kreation Apfeldiätspeise, oder einfach d Spys (Schweizerdeutsch für “die Speise”). Ab 1902 versuchte er den Gästen in seinem Zürcher Sanatorium auf diese Weise eine Vollwertdiät mit frischem Obst näherzubringen – was ihm auch gelang. Das Birchermüsli wurde als leicht bekömmliches Abendessen gereicht. Bircher-Benner hatte das Müsli jedoch nicht selbst erfunden, sondern dieses “recht seltsame Essen” auf einer Bergwanderung in den Alpen entdeckt, als ihn eine Sennerin mit einer Rohkostmahlzeit bewirtet hatte, wie sie die Bergbewohner schon vor mehr als 100 Jahren zu sich genommen hatten.

Hier das Originalrezept des Birchermüslis für eine Portion:

Zutaten

  • 1 gestrichener Esslöffel Haferflocken
  • 1 Esslöffel Zitronensaft
  • 1 Esslöffel gezuckerte Kondensmilch
  • 2 Äpfel (400 g) einer möglichst säuerlichen Sorte
  • 1 Esslöffel geriebener Haselnüsse oder Mandeln

Zubereitung

  1. Haferflocken mit der dreifachen Menge Wasser für 12 Stunden einweichen
  2. Anschließend Zitronensatft, Kondensmilch und die geriebenen Äpfel untermischen
  3. Zu guter Letzt mit den den Haselnüssen oder Mandeln verfeinern

Die gezuckerte Kondensmilch verwendete Bircher-Benner übrigens, weil die damals noch unpasteurisiert Frischmilch ein zu hohes Tuberkulose-Risiko darstellte.

Was auffällt ist die frische Zubereitung, die geringe Menge Getreideflocken und der hohe Obstanteil. Dennoch ist entspricht das Ergebnis nicht so wirklich meinem Geschmack. Das Ganze wäre mir zu schlazig (kann man das so sagen?) und erinnert mich eher an Babybrei als an Müsli.

Deshalb hier eine abgewandelte Version des Birchermüslis für eine Portion:

Zutaten

  • 1 gehäufter Esslöffel Haferflocken
  • 1 Esslöffel Zitronensaft
  • 3 Esslöffel Jogurt oder Milch
  • 1/2 Teelöffel Honig
  • 1 Apfel, 1/2 Orange, 1/2 Banane
  • 1 Esslöffel gemischte frisch oder tiefgefrorene Beeren
  • 1 Esslöffel geriebener Haselnüsse oder Mandeln

Zubereitung

  1. Zitronensaft, Jogurt oder Milch und Honig unter die Haferflocken mischen
  2. Apfel kleinschneiden, Orangen- und Bananenstücke sowie Beeren unterheben
  3. Zu guter Letzt mit den den Haselnüssen oder Mandeln verfeinern

Zu einem ersten Durchbruch und erster Bekanntheit im deutschsprachigen Raum verhalfen dem Birchermüsli die unzähligen Schriften und Kochbücher von Mitgliedern der Bircher-Familie. Richtig populär wurde das Müsli vorerst nur in der Schweiz. Ab den 1940er- und 1950er-Jahren wurde es regelmäßig zum Abendessen eingenommen. Auch in den Küchen von Gefängnissen, Heimen, Klöstern und des Militärs stand es regelmäßig auf dem Speiseplan. In der 68er-Bewegung gehörte das Müsli zum alternativen, ökologischen Lebensstil. Ende der 1960er-Jahre schaffte das Müsli dank der Umweltbewegung seinen weltweiten Durchbruch.

Mit der Popularität kamen bald Rezepte auf, die sich deutlich vom Original unterschieden. An Stelle der Haferflocken traten zunehmend die schon seit den frühen 1940er-Jahren industriell hergestellten Trockenmischungen. Kondensmilch wird durch Joghurt, Milch oder Sahne ersetzt. Heute steht der Begriff Müsli meist für Fertigmischungen aus Getreideflocken, Rosinen, Trockenobst und Nüssen.

Hersteller glutenfreier Fertigmüslis

Dem Müsliboom der letzten Jahre konnten sich auch die Hersteller glutenfreier Produkte nicht verschließen. Praktisch jeder Anbieter hat heute entsprechende Fertigmüslis und Cerealienmischungen im Sortiment. Eine kleine (selbstverständlich nicht vollständige) Liste habe ich zusammengetragen.

Marke Sorte Bio? Zucker Kalorien
Alnatura Cornflakes ja 6,0 g 377
Alnatura Früchte Müsli ja 28,7 g 328
Alnavit Cornflakes ja 1,2 g 380
Alnavit Früchte Müsli ja 33,1 g 342
Alnavit Nuss Crunchy ja 25,6 g 480
Alnavit Schokomüsli ja 22,0 g 447
Bauck Hof Knusper-Frühstück Zartbitter ja 13,0 g 491
Schär Crunchy Müsli nein 30,6 g 428
Schär Müsli Fruit nein 28,8 g 474
Werz 3-Korn Mandel Müsli ja ? 357
Werz Amaranth Crunchy ja ? 415
Werz Quinoa Crunchy ja ? 425

Die Angaben zu Kalorien und Zucker beziehen sich auf 100g trockenes Fertigmüsli (also ohne Milch etc.) und wurden den Angaben auf der Packung entnommen. Die Liste wird selbstverständlich in Zukunft laufend ergänzt.

Zum Vergleich: 100 g reine Haferflocken enthalten lediglich ca. 1 Gramm Zucker und 370 Kalorien.

Kritik an den Fertigmüslis

Glutenfreie Müslis im Regal

Quelle: Eigenes Bild

Schaut man sich die Zutaten industriell hergestellter Müslis an, so hat dies nicht mehr viel mit dem Originalrezept zu tun. Die meisten Fertigmüslis sind wahre Zucker- und Kalorienbomben. In dieser Beziehung unterscheiden sich glutenfreie Produkte nicht von der konventionellen Variante. Die „Früchte“ bestehen in der Regel hauptsächlich aus Rosinen, die preiswert und süß sind. Manchmal ergänzt durch geringe Mengen getrocknete Äpfel, Aprikosen, Birnen, Datteln, Feigen, Pflaumen oder Pfirsiche. Und ein Zuckeranteil von 20 – 30% stellt keineswegs die Ausnahme dar. Da ist es kein Wunder, dass 100 Gramm Müsli mit bis zu 500 Kalorien zu Buche schlagen. Ein Blick auf die kleingedruckte Zutatenliste lohnt sich also auf jeden Fall. Aber Vorsicht: Häufig versteckt sich die Süße hinter unverdächtigen Bezeichnungen wie Maltodextrin, Rohrzucker oder Glukose-Fruktose-Sirup. Und auch die Trauben und Trockenfrüchte enthalten reichlich Zucker.

 

Ein weiteres Ärgernis sind die auf der Packung angegebenen Portionsgrößen. Von 30 Gramm wird vielleicht ein 5-jähriger satt, aber sicherlich kein Erwachsener. Mit diesen kleinen Mengen wird der Zucker- und Fettgehalt schlicht schöngerechnet. Besonders kalorienreich sind übrigens die beliebten Schoko- oder Knuspermüslis.

Soweit Teil 1. Im zweiten Teil des Artikels, der in wenigen Tagen erscheint, werden wir uns mit den Möglichkeiten befassen, Fertigmüslis mit viel frischem Obst und einigen anderen Zutaten aufzuwerten oder ein gesundes schmackhaftes Müsli gleich selbst zu mischen.

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